Inhalt dieses Guides
SRT-Latenz für mobile Streams planen: RTT messen, Verlust berücksichtigen, Puffer verstehen und Stabilität gegen Verzögerung abwägen.
IRL-Arbeitsmodus
IRL ist ein Gesamtsystem aus Funk, Transport, Strom, Thermik und Audio. Teste diese Ebenen getrennt.
Welche Ebene ist aktuell am schwächsten?
Peak-Speed allein reicht nicht. Stabilität, Handover und Zelllast bestimmen den Livebetrieb.
Transportprotokoll und Redundanz müssen zum Verhalten deiner Mobilfunkpfade passen.
Ein perfekter Uplink hilft nicht, wenn Smartphone, Hub, Mikrofon oder Stromversorgung ausfallen.
Bei SRT ist die Latenz nicht nur eine kosmetische Zahl. Sie definiert den Zeitpuffer, in dem verlorene Pakete erkannt, erneut angefordert und rechtzeitig geliefert werden können. Ein zu kleiner Wert reduziert Verzögerung, lässt aber weniger Zeit für Reparaturen. Ein zu großer Wert ist robust, macht den Workflow aber träger.
RTT als Ausgangspunkt
RTT ist die Round-Trip-Time: die Zeit für ein Paket hin und zurück. Haivision verwendet RTT als Basis für die Latenzplanung. Die aktuelle SRT-Dokumentation nennt als grobe Faustregel bei guten Netzen etwa das Vierfache der RTT, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass Verlustmuster und reale Linkbedingungen berücksichtigt werden müssen.
SRT-Latenz grob aus RTT planen
Planungswert, kein Garantiewert: Paketverlust, Burst Loss, Encoder/Decoder und Plattformpuffer müssen separat getestet werden.
Mobilfunk braucht Reserve für Burst Loss
Ein durchschnittlich niedriger Paketverlust kann täuschen, wenn Verluste in kurzen Bursts auftreten. Gerade bei Handover oder Zellüberlastung kann ein größerer Puffer helfen. Dafür steigt die End-to-End-Verzögerung.
Sender und Empfänger abstimmen
SRT-Latenz kann an beiden Endpunkten konfiguriert werden; laut Haivision wird der höhere Wert für den Stream verwendet. Dokumentiere deshalb beide Seiten. Sonst suchst du lange nach einer Verzögerung, die nicht am Feldencoder, sondern an der Gegenstelle eingestellt ist.
Send Buffer beobachten
Haivision empfiehlt, die SRT-Statistiken nach dem Aufbau zu prüfen. Der Sendepuffer sollte nicht dauerhaft an die konfigurierte Latenzgrenze laufen. Wenn er regelmäßig anwächst, ist der Pfad zu knapp dimensioniert oder der Puffer zu klein.
Interaktion vs. Robustheit
Für einen IRL-Stream mit Chat ist niedrige Verzögerung attraktiv. Für eine Contribution-Strecke zur Regie kann ein etwas größerer SRT-Puffer sinnvoll sein, wenn dadurch kurze Mobilfunkstörungen repariert werden. Die Gesamtverzögerung umfasst zusätzlich Encoder, Decoder und Plattform.
Praktischer Tuning-Ablauf
- RTT unter realen Bedingungen messen.
- Mit konservativem Latenzwert starten.
- 30 Minuten Teststream senden.
- Packet Loss, Retransmits und Buffer beobachten.
- Latenz schrittweise reduzieren, solange Stabilität erhalten bleibt.
- Bewegung und belastete Funkzellen erneut testen.
Nach Änderungen immer Ende-zu-Ende messen
Eine kleinere SRT-Latenz kann in den Transportstatistiken gut aussehen und trotzdem die Zuschauererfahrung verschlechtern, wenn nachgelagerte Encoder oder Plattformpuffer anders reagieren. Miss daher nicht nur RTT und Retransmits, sondern auch die tatsächliche Verzögerung vom Kamerabild bis zur Ausgabe. Nur so erkennst du, ob eine Optimierung wirklich den gesamten Workflow verbessert.