Inhalt dieses Guides
Bonding und Load Balancing nutzen mehrere Internetleitungen unterschiedlich. Für einen einzelnen Livestream ist dieser Unterschied entscheidend.
IRL-Arbeitsmodus
IRL ist ein Gesamtsystem aus Funk, Transport, Strom, Thermik und Audio. Teste diese Ebenen getrennt.
Welche Ebene ist aktuell am schwächsten?
Peak-Speed allein reicht nicht. Stabilität, Handover und Zelllast bestimmen den Livebetrieb.
Transportprotokoll und Redundanz müssen zum Verhalten deiner Mobilfunkpfade passen.
Ein perfekter Uplink hilft nicht, wenn Smartphone, Hub, Mikrofon oder Stromversorgung ausfallen.
Zwei SIM-Karten oder zwei Internetanschlüsse bedeuten noch nicht, dass ein einzelner Livestream beide gleichzeitig nutzt. Genau hier liegt der Unterschied zwischen Load Balancing, Failover und Bonding.
Load Balancing
Ein Load Balancer verteilt Verbindungen oder Sitzungen auf mehrere Uplinks. Eine einzelne bestehende RTMP-/SRT-Verbindung bleibt dabei je nach Technik oft an einen bestimmten Uplink gebunden. Fällt dieser Pfad aus, kann die Sitzung abbrechen, obwohl ein zweiter Anschluss vorhanden ist.
Failover
Beim Failover gibt es einen primären und einen Ersatz-Uplink. Der zweite Link übernimmt, wenn der erste nicht mehr funktioniert. Für Webzugriffe ist das oft ausreichend; eine bestehende Live-Sitzung kann beim Umschalten trotzdem unterbrochen werden.
Connection Bonding
Bonding verteilt Daten einer Sitzung über mehrere Verbindungen und setzt sie an einem Gegenpunkt wieder zusammen. Speedify beschreibt sein Verfahren als paketweise Verteilung über mehrere aktive Links. LiveU nutzt mit LRT ebenfalls eine eigene Technik, um mehrere Verbindungen für eine robuste Videoübertragung zu kombinieren.
Redundanz statt nur mehr Bandbreite
Für IRL ist nicht immer die Summe der Bandbreiten das wichtigste Ziel. Eine zweite Verbindung kann wertvoll sein, weil Pakete redundant übertragen oder beim Ausfall eines Providers über den anderen Pfad weiterlaufen. Das erhöht allerdings Datenverbrauch.
Zwei SIMs vom selben Provider sind keine echte Provider-Redundanz
Wenn beide SIMs im selben Mobilfunknetz und möglicherweise sogar in derselben Funkzelle hängen, teilen sie zentrale Fehlerquellen. Für echte Diversität sind unterschiedliche Provider beziehungsweise Netze sinnvoller.
Wann brauchst du was?
| Szenario | Technik |
|---|---|
| mehrere Geräte sollen Internet nutzen | Load Balancing kann reichen |
| Internet soll bei Ausfall generell weitergehen | Failover |
| ein einzelner Livestream soll mehrere Links nutzen | Bonding |
| maximale Robustheit gegen Paketverlust | Bonding/Redundanz je nach Lösung |
Bonding braucht einen Gegenpunkt
Damit Pakete über mehrere Zugänge verteilt werden können, müssen sie irgendwo wieder zu einer geordneten Datenverbindung zusammengesetzt werden. Das geschieht je nach Produkt über einen Cloudserver, eigenen Server oder speziellen Ingest. Deshalb ist Bonding nicht einfach eine Routereinstellung, die ohne Gegenstelle aus zwei SIMs eine einzige öffentliche Leitung macht.
Mehr Verbindungen bedeuten mehr Datenverbrauch
Bei reiner Bandbreitenbündelung wird Traffic verteilt. Redundante Modi können Pakete dagegen mehrfach übertragen. Das erhöht Stabilität, verbraucht aber entsprechend mehr Datenvolumen. Für Mobilfunktarife sollte dieser Effekt in die Kostenplanung einfließen.
Latenz und Stabilität abwägen
Zusätzliche Tunnel- und Rekonstruktionsschichten können Latenz hinzufügen. Für IRL ist ein kleiner Latenzaufschlag häufig akzeptabel, wenn der Stream dafür Zellwechsel besser übersteht. Bei sehr interaktiven Formaten sollte die Ende-zu-Ende-Latenz trotzdem beobachtet werden.
Bonding ersetzt keine vernünftige Bitrate
Vier schlechte Verbindungen machen eine zu hohe Stream-Bitrate nicht automatisch stabil. Lege zuerst eine Bitrate fest, die dein Gesamtsetup mit Reserve tragen kann. Bonding ist danach eine Resilienzschicht, kein Freibrief für maximale Qualitätseinstellungen.